16.10.26 – Tag der Reparatur am 17. Oktober
5 Fragen an Verena Dvorák, Euronics
Passend zum Tag der Reparatur haben wir uns mit Verena Dvorák, Leitung Customer Service Center bei der Euronics Deutschland eG, zum Thema ausgetauscht. Die Spezialistin für die Themen Service und Reparatur zieht im Interview unter anderem eine kurze Bilanz zu den ersten Monaten des neuen „Recht auf Reparatur“.
Frau Dvorák, mit dem „Recht auf Reparatur“ hat sich die Gesetzeslage rund um Reparaturen in Deutschland verändert – Reparaturen waren aber ja bereits vorher ein Teil des Geschäftsmodells vieler Euronics-Händler: Ganz allgemein – in welcher „Verfassung“ ist der Reparatur-Markt? Mit welchen Herausforderungen sind Reparatur-Betriebe generell konfrontiert?
„Wir erleben momentan eine echte Trendwende. Lange hieß es im Handel: ‚Reparatur rechnet sich nicht.’ Entsprechend haben viele Betriebe ihre Werkstätten geschlossen oder verkleinert. Heute gewinnt Reparatur wieder deutlich an Bedeutung. Das Problem: Fachkräfte und Know-how fehlen, Ersatzteile sind teilweise teuer und der Zugang zu Herstellerunterlagen, Software und Spezialwerkzeugen ist nicht immer einfach. Dazu kommen erforderliche Autorisierungen, insbesondere bei Reparaturen innerhalb der Garantiezeit. Der Fachhandel muss deshalb jetzt Strukturen wieder aufbauen, die über Jahre reduziert wurden.
Reparaturen sind bei Euronics aber kein neues Thema. Service ist schon immer eine der Kernkompetenzen der Euronics. Es gibt es um die 400 Mitglieder, die selbst reparieren.“
Nun ist das neue „Recht auf Reparatur“ Seite Ende Juli in Kraft – welche ersten Auswirkungen konnten Sie aus Euronics-Sicht mit der veränderten Gesetzeslage bereits feststellen?
„Aus Sicht von Euronics zeigt sich bislang vor allem, dass die neuen Regelungen in eine verständliche Beratung und verlässliche Abläufe übersetzt werden müssen. Bei vielen Endverbrauchern bestehen noch Wissenslücken: Sie wissen häufig nicht, welche Rechte ihnen konkret zustehen, für welche Geräte und Fälle das Recht auf Reparatur gilt, und an wen sie sich wenden können.“
Welche Maßnahmen hat Ihre Verbundgruppe zur Unterstützung der Reparaturbetriebe in diesem Zuge bereits ergriffen?
„Gemeinsam mit EK Retail, ElectronicPartner, expert, Telering Marketing und der Wertgarantie Group haben wir eine Kooperation zum Recht auf Reparatur ins Leben gerufen. Ziel ist es, die, Fachhändler bei der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben zu unterstützen und die Chancen des wachsenden Reparaturmarktes zu nutzen u. a. durch kooperationsübergreifende Schulungen für die Fachhändler und Informationskampagnen für Verbraucher. Die bereits gestartete Plattform ‚Reparieren statt Wegwerfen’ stärkt die Position der Mitglieder als Anlaufstelle für Reparaturen.
Im Rahmen des Projekts ‚Life Epics’ haben wir zudem bei drei Pilothändlern Repair Corners eingerichtet, die Kunden direkt am PoS einen einfachen Zugang zu Reparatur-Services bieten.“
Wo sehen Sie für die nahe Zukunft weiteren Nachholbedarf, um das Reparaturaufkommen weiter zu fördern? Sowohl Ihrerseits als Kooperation, aber auch seitens der Industrie und Politik?
„Ein Recht auf Reparatur muss im Alltag auch praktisch nutzbar sein. Für uns bedeutet das, Reparaturangebote verständlich darzustellen und Kunden an die Hand zu nehmen und die Möglichkeiten abzuwägen, ob sich eine Reparatur lohnt oder ein neues Gerät die sinnvollere Wahl ist.
Auf Seiten der Industrie sind verlässlich verfügbare Ersatzteile, zugängliche Reparaturinformationen und nachvollziehbare Kosten entscheidend. Ebenso wichtig ist, dass die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben wirksam kontrolliert wird und Verstöße Konsequenzen haben.
Von der Politik brauchen wir praktikable Rahmenbedingungen, die Reparaturen fördern, ohne die Betriebe mit unnötiger Bürokratie zu belasten. Gleichzeitig muss der Fachkräftemangel stärker in den Blick genommen und die Ausbildung und Gewinnung qualifizierter Fachkräfte unterstützt werden.“
Das Thema Service hat generell viel Aufmerksamkeit in letzter Zeit erfahren – auch Euronics ist gemeinsam mit drei weiteren Verbundgruppen Mitglied in der neuen Service-Allianz des Fachhandels: Können Sie uns hierzu abschließend ein Update geben?
„Mit der Service-Allianz des Fachhandels wollen wir die Betriebe dabei unterstützen, Service als strategisches Geschäftsfeld zu besetzen. Die Kooperationen bleiben dabei eigenständig, entwickeln jedoch unter der Aufsicht des BVTs gemeinsame Standards, wie bspw. Service-Abläufe wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt werden können. Die entscheidende Qualität liegt darin, dass Mitbewerber nicht trotz, sondern wegen ihrer unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen zusammenarbeiten. Das Ziel ist ein offenes, herstellerübergreifendes Service-Ökosystem mit einheitlichen Standards und Prozessen.
Als nächstes veranstalten wir einen Workshop am 10. November 2026 mit rund 70 serviceaffinen Mitgliedern und unseren Partnern.“



